Fr. Fried zu Corona an der KRS

Corona – ein ziemlich anderes zweites Schulhalbjahr 2019/2020

– Fakten, Organisation, Empfindungen –

Alles fing im Februar eigentlich ganz normal an. Der Unterricht lief normal, die ersten Lernkontrollen und Klassenarbeiten wurden geschrieben, die 10. Klassen bereiteten sich intensiv auf ihre mündlichen Präsentationen vor, die 9. Klassen freuten sich auf ihr dreiwöchiges Praktikum vor den Osterferien.

Man wusste und sprach darüber, dass in China ein neues, wohl aggressives Virus ausgebrochen war, schon 2019. Es hieß Corona, Covid 19. Wieder mal China! Die hatten doch auch SARS und Vogelgrippe früher mal gehabt. Wuhan, wo ist das? Na ja, jedenfalls weit weg. Gott sei Dank nicht bei uns!

Doch dann – war es Mitte oder Ende Februar – gab es erste Infizierte auch in Europa. Man wurde aufmerksamer, bekam Angst, auch an den Schulen horchte man auf. Nach Österreich, Italien, Spanien folgte Deutschland. Die Skifahrer aus dem Süden, die Karnevalsjecken aus dem Norden wären schuld, munkelte man, die hätten es eingeschleppt. Massenversammlungen!

Plötzlich war Corona das Gesprächsthema Nummer 1, auch im Lehrerzimmer der KRS sowie innerhalb der Schülerschaft. Es gab die ersten Lockdowns, in Österreich, Italien, Frankreich. Man hörte Anfang März von ersten Schulschließungen in einigen Bundesländern Deutschlands. Innerhalb des Lehrerkollegiums wurden Wetten abgeschlossen: In spätestens zwei Wochen sind wir auch dran hier in Hessen. Es war Anfang März. Und die Zahlen der Corona-Infizierten, die Fallzahlen, schnellten weiter nach oben, ganz schlimm in Großbritannien, in den USA, in Südamerika, Afrika, weltweit. Höchstens noch eine Woche haben wir geregelten Unterricht, so schätzte man.

Und dann, am Freitag, den 13. März (Freitag, der 13.!) kam die Nachricht: Keine Woche mehr, sofort ist Stopp! Ab Montag, den 16.3.2020, sind alle Schulen geschlossen! Bis zu den Osterferien erstmal. Kein Praktikum für die 9er, keine Präsentationen für die 10er, keine Konferenzen jeglicher Art mehr. Lockdown!

Die meistgehörten, meistgelesenen Worte allerorts waren: abgesagt, fällt aus, findet nicht statt, geschlossen, verschoben.

Von nun an begann eine Zeit der intensiven Arbeit für die Schulleitung: Per Dienstmail mussten Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer informiert werden. Den Kolleginnen und Kollegen oblag es, wöchentliche Aufgaben für die Lernenden vorzubereiten, vor allem in den Hauptfächern und diese an die Elternbeiräte per Dienstmail zu schicken zwecks Weiterleitung an die Eltern aller Schülerinnen und Schüler. Es musste nichts korrigiert werde, es durfte nichts zensiert werden. Zwischendurch kamen immer wieder Mails vom Schulamt, vom Kultusministerium über die Situation, über weiteres Vorgehen an den Schulen. Die Schulleitung der Kreisrealschule ging sehr vernünftig mit der Situation um, nichts überstürzend. Von einem perfekt durchorganisierten Homeschooling war man noch weit entfernt. Es gab eine Dienstversammlung, auf der das Kollegium über alle Maßnahmen in Ruhe informiert wurde. Unser Schulleiter, Michael Neeb, wies darauf hin, dass man ein funktionierendes Homeschooling mit dem Office-Programm erst sehr gut vorbereiten müsse, es erst später zum Einsatz kommen könne nach entsprechenden Schulungen. Ein großes Lob an die Mitglieder der Schulleitung der KRS, die von Anfang an vernünftig und ruhig agierten!

In den Wochen vor den Osterferien überschlugen sich die Meldungen. Ein ARD-Extra jagte das nächste, die Presse kannte nur ein Thema: Corona, Fallzahlen, Lockdowns. Die Informationen von der Bundesregierung, vom Land, vom Schulamt, die Dienstanweisungen für die Schule überschlugen sich.

Es gab nur noch Absagen: Keine kulturellen Veranstaltungen, keine Fußball-EM, keine Olympischen Spiele, keine weiteren Bundesligaspiele (später wurden diese zu ‚Geisterspielen‘ ohne Publikum), Restaurants, Gaststätten, Geschäfte, Fitness- und Physiotherapiestudios, Bordelle mussten schließen; zum Arzt sollte man nur noch im Notfall gehen, in den Supermärkten und Apotheken war Schlange stehen, im Abstand von mindestens 1,50 m, angesagt. Und, was man vormals nur von China kannte: Atemschutzmasken tragen! Nachdem am Anfang der Krise weder Desinfektionsmittel noch Atemschutzmasken erhältlich gewesen waren, begann jetzt ein Boom auf das Nähen von eigenen Atemschutzmasken – und die Diskussionen darum, welche und inwiefern sie überhaupt sinnvoll seien. Immer wieder gründliches Händewaschen (für die Dauer von 2x Happy Birthday oder eines Vaterunsers), das war die wichtigste Order! Die AHA-Regel war geboren: Abstand – Händewaschen – Atemschutzmasken.

Ja, und, wie an allen Schulen, wurde auch an unserer Kreisrealschule gearbeitet, gemailt, telefoniert ohne Ende, weil es immer wieder neue Verordnungen seitens der Länder, der Schulämter gab. Keiner wusste vor den Osterferien, ob nach den Ferien die Schule wieder ‚normal‘ weitergehen würde. Was dann natürlich nicht der Fall war: Die Abschlussklassen mussten ihre Prüfungstermine nach hinten verschieben, bis vor den Ferien war noch nicht klar, wann sie stattfinden würden. Auch die Termine für die Präsentationen standen noch nicht fest – niemand wusste vorerst, ob sie überhaupt stattfinden würden.

Des Weiteren wurde von ganz oben verfügt, dass es mindestens bis zum Herbst, wenn nicht auch länger, keinerlei Ausflüge und Klassenfahrten geben dürfte. Das bedeutete für die KRS konkret, dass die für Mai geplanten Klassenfahrten von zwei 5. Klassen, die für über 40 Schülerinnen und Schüler geplante freiwillige Studienfahrt nach London in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien und ein Tagesausflug der 10er Französischkurse nach Straßburg ausfielen. Ebenfalls das geplante Theaterstück der 10er sowie das Sommerkonzert der Bläserklassen neben zahlreichen kleineren Ausflügen fielen Corona zum Opfer.

Damit ist der Jahrgang 9 derjenige, der am meisten unter Corona zu leiden hat: kein Praktikum, keine Studienfahrt nach London und, wohl das Schlimmste für die Jugendlichen, keine Abschlussfahrt in Klasse 10.

Somit begannen die Osterferien für die gesamte Schulgemeinde, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Schulleiter mit tausend Fragezeichen und Unsicherheiten, gepaart mit der Angst um die eigene Gesundheit und die der Familie sowie der Freunde.

Es war alles „Traurig, traurig, traurig!“, so zitierte unser Schulleiter Michael Neeb gerne den guten alten Theo Lingen. Er sprach von Homeschooling mit Augenmaß, lobte immer wieder den Einsatz und die Mühen des Kollegiums. Trotz aller Widrigkeiten („Denk ich an die Schule in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“) behielt er immer einen gewissen Humor und seine Mails an das Kollegium enthielten, neben den notwendigen und wichtigen Informationen, oft ein Lächeln, ein Dankeschön und Mut machende Sätze.

Zum Ende der Osterferien kamen dann die verbindlichen neuen Nachrichten: Der Unterricht sollte nach den Ferien in geteilten Klassen mit unterschiedlichem Unterrichtsbeginn sowie unterschiedlichen Pausenzeiten, getrennt auf dem Osthof und Westhof, zunächst nur für die 10. Klassen, erfolgen. Strengste Hygiene- und Abstandsregeln waren vorgeschrieben. Ein Mundschutz war in den Schulbussen verbindlich, im Schulgebäude und in den Klassenräumen nicht zwingend erforderlich. Allerdings gab es die sinnvolle Vorschrift, immer die Fenster offen zu halten wegen der Aerosole. Schülerinnen und Schüler, die aufgrund von Vorerkrankungen gefährdeter waren als andere oder in deren Familie es Risikopatienten gab, mussten nicht zur Schule kommen, brauchten aber ein Attest.

Die Termine für die mündlichen und schriftlichen Prüfungen für die Abschlussklassen waren festgelegt und sollten unter Wahrnehmung aller Hygienemaßnahmen vom 04.-08. Mai (Präsentationen) und vom 25.-29. Mai (schriftliche Prüfungen) erfolgen. Anders als an anderen Schulen üblich wurde – aufgrund einzelner Schülerbeschwerden – vom Schulamt verfügt, dass zwischen den Prüfungstagen Unterricht stattfinden musste.

Außerdem fielen weiterhin sämtliche Konferenzen, u. A. die Förderplankonferenzen, die Gesamtkonferenz und der Elternsprechtag aus. Sämtliche Zeugnisnoten von den Halbjahreszeugnissen mussten übernommen werden, Verschlechterungen durfte es nicht geben, höchstens verbesserte Noten. Und: Sitzenbleiben gibt es in diesem Schuljahr nicht, höchstens freiwillige Wiederholungen. Oh oh, das kann noch ‚heiter‘ werden im nächsten Schuljahr!

Es galt auch, dass alle Lehrpersonen, die zur sogenannten ‚Risikogruppe‘ aufgrund ihres Alters (Ü60) und/oder Vorerkrankungen gehörten, nicht in der Schule eingesetzt werden durften. Somit wurden die Klassen in einigen Fächern nicht mehr von der vertrauten Lehrkraft unterrichtet, sondern von einer Ersatzlehrkraft, die aber immer in Rücksprache mit der eigentlichen Fachlehrkraft stand.

Die Schulleitung und alle Beteiligten wurden mit immer wieder wechselnden, erweiterten Mails über Hygieneverordnungen überschüttet. So mussten alle Schülerinnen und Schüler immer wieder vor Unterrichtsbeginn und nach allen Pausen im ‚Gänsemarsch‘ zum gründlichen Händewaschen antreten, Osthof unterer Flur, Westhof oberer Flur. Die meistgesagten Wörter und Aufforderungen, teils militärisch streng gerufen, waren „Abstand halten!“ oder „Das sind noch keine 1,50m!“

Nachdem die Abschlussklassen am 29. Mai ihre Schulzeit vor Ort quasi beendet hatten – an ihren letzten Schultagen durften sie noch ihre beliebte ‚Mottowoche‘ durchführen – kamen nach und nach wieder die anderen Klassen tageweise, in halbe Gruppen unterteilt, zur Schule und hatten jeweils fünf bis sechs Stunden Unterricht. So wechselten sich die Unterrichtstage und die jeweiligen Jahrgangsstufen ab. Alle Schülerinnen und Schüler sowie alle Kolleginnen und Kollegen wurden nach und nach durch das IT-Team in Office 365 und in Teams geschult, sodass in Zukunft bei Bedarf auch ein vernünftiges, gut vorbereitetes Homeschooling erfolgen kann. Hier gebührt ein großer Dank dem jungen IT-Team der Schule, das viele Stunden lang alles vorbereitet und organisiert hatte. Zudem geht auch ein Dank auch an alle Kolleginnen und Kollegen, die den Lehrkräften, die noch Schwierigkeiten beim Umgang mit den neuen Medien haben, immer freundlich und hilfsbereit entgegenkommen.

Sämtliche Schülergruppen empfanden ihren Präsenzunterricht mit nur 13-15 Personen im Klassenzimmer als sehr angenehm. Disziplinprobleme gab es kaum und auf Partner- und Gruppenarbeit konnte man auch mal verzichten

Im Juni wurden dann auch wieder mehr der Lehrkräfte, die zur ‚Risikogruppe‘ gehörten, teilweise für Präsenzunterricht, natürlich nur auf eigenen Wunsch, hauptsächlich aber für die Aufsichten, tageweise eingesetzt. Auch hier war das unendlich oft gerufene oder gestisch angezeigte „Abstand halten bitte!“ Tenor.

Bei den Aufsichten konnte man eklatante Unterschiede im Verhalten der Schülerinnen und Schüler feststellen: Für die Jüngeren schien es bei ihrem größeren Bewegungsdrang ungleich schwieriger, sich an die Abstandsregeln zu halten und sie mussten immer wieder daran erinnert werden. Sobald die Schule aus war und alle das Schulgebäude verlassen hatten, zu den Bussen strömten, war es für die meisten sowieso vorbei mit den Abstandsregeln…

Zwischendurch gab es noch ein großes Erschrecken, als man aufgrund von Aussagen des Hessischen Kultusministers plötzlich darüber nachdachte, den Unterricht in den letzten zwei Schulwochen wieder normal abhalten zu lassen. Schule als Versuchslabor so eben vor den Sommerferien? Das Los ging an uns vorüber, die Grundschulklassen hingegen mussten wieder alle in Gänze antreten.

Die Großen, sprich die Schülerinnen und Schüler Abschlussklassen, machten sich Sorgen, in welcher Form sie denn nun ihre Zeugnisse erhalten würden. Die sonst üblichen Notenbesprechungen entfielen, es gab viele Fragezeichen. Sollte es gar nur so sein, dass man sich sein Zeugnis im Sekretariat abholen würde? Wie traurig wäre das denn…

Aber dank der allgemeinen Lockerungen, die allmählich nach dem harten Lockdown in der Gesellschaft in Kraft traten, durfte es dann Gott sei Dank kleine Abschlussfeiern geben: So wurden am 24. und 25. Juni die Klassen 10a, b, c und d einzeln, zwar leider ohne Eltern, aber in kleinem würdevollen Rahmen in der Aula mit ihren Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer Annika Wecke (10a), Angelika Fried (10b), Uta Mahnke (10c) und Michael Kreher (10d) , zusammen mit den jeweiligen Elternbeiräten und der Schulelternbeirätin verabschiedet. Unser Musiklehrer Jörg Schmalfuß umrahmte das Programm mit Pianomusik, der Schulleiter und die jeweiligen Klassenleiter hielten eine Rede.

Es folgte noch eine Woche Schule mit den Jahrgangsstufen 5-9, die alle an unterschiedlichen Tagen in ihren geteilten Gruppen ihre Zeugnisse erhielten.

An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön und ein dickes Lob an das gesamte Schulleitungsteam der Kreisrealschule: an Michael Neeb, Eva Roth, Sven Schubert, Oliver Mathes und Steffi Gahmig, die die letzten Monate – durch sehr viel Mehrarbeit – mit Bravour organisiert und gemeistert haben!

Am 03.7.2020 dann endlich der letzte Schultag, in verkürzter Form, an dem die 8. Klassen ihre Zeugnisse erhielten. Endlich! Fertig! Aufatmen!

Aufatmen? Wie geht es weiter nach den Ferien? Wird wieder ‚normaler Unterricht‘ stattfinden können? Muss das neue Homeschooling zum Einsatz kommen? Oder schnellen die Zahlen der Coronafälle wieder hoch, wie durch einige Hotspots an Standorten in der Fleischindustrie in NRW? Wird es eine zweite Welle im Herbst geben?

Niemand kann diese Fragen beantworten. Wer kann, macht jetzt erstmal Urlaub, ob zuhause, ob in Deutschland, oder, wer es wagt, auch in anderen Ländern Europas, wo es erlaubt ist. Vielleicht in „Ironien am Sarkastischen Meer“?

Die Angst bleibt, die Hoffnung auf bessere Zeiten, auf einen Impfstoff gegen das Virus ebenfalls. Vielleicht auch die Hoffnung, dass die positiven Erfahrungen und Erkenntnisse während dieser harten Zeit sinnvoll in der Zukunft der Menschheit, die Natur und auch für unser Schulsystem umgesetzt werden!

Angelika Fried

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