Abschiedsfeier Abschlussklassen

Abschiedsfeier in der Aula der Kreisrealschule

Am Mittwoch, dem 24.06.2020, und am Donnerstag, dem 25.06.2020, hat in der Aula der Kreisrealschule Gelnhausen eine etwas andere Verabschiedung stattgefunden. Feierte die gesamte Schulgemeinde sonst in der Stadthalle, trafen sich nunmehr die jeweiligen Klassen 10a, 10b, 10c und 10d und wurden einzeln von der Schule verabschiedet.

Obwohl hierfür extra ein Hygienekonzept erarbeitet werden musste, fanden die vier kleinen Feiern in einem feierlichen Rahmen und dem Anlass angemessen statt.

Das Schulleitungsteam, Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer Annika Wecke, Angelika Fried, Uta Mahnke und Michael Kreher, einzelne Fachlehrerinnen oder Fachlehrer, die Vorsitzende des Schulelternbeirates Simone Schattat und die Vertreter des Klassenelternbeirates feierten mit den Abgängern die Übergabe der Zeugnisse und entließen sie in die Zukunft.

Schulleiter Michael Neeb lobte den gesamten Jahrgang, der unter solch schwierigen Bedingungen die Prüfungen abgelegt habe und schickte die Jugendlichen mit Zuversicht in die Zukunft. Umrahmt wurden die Feierlichkeiten von Jörg Schmalfuß am Flügel, der mit einer gelungenen Auswahl der Stücke Feingefühl und ein Gespür für die besondere Situation zeigte. Unterstützt wurde er bei der Klasse 10c von Alexander Schadt.

Da aufgrund der äußerst begrenzten Teilnehmerzahl die Eltern leider nicht vor Ort sein konnten, übertrug Gerhard Ron Fischer die Veranstaltungen jeweils zu den Eltern nach Hause, die so ein wenig an der Veranstaltung teilnehmen konnten.

Als Jahrgangsbeste wurden ausgezeichnet:

10a Natalie Pöss 1,2

10b Luana Uffeln 1,5 und Jannis Frühauf 1,5

10c Silva Günther 1,1 und Vivien Haldy 1,1

10d Paula Marie Stübing 1,3

Für sein soziales Engagement wurde Tom Bugert für seinen vorbildlichen Einsatz als Leiter des Technik-Teams ausgezeichnet.

Klasse 10a:
Klasse 10b:

Klasse 10c:

 

Klasse 10d:


Reden

Schulleiter Herr Neeb:

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Eltern,

ich begrüße euch, Sie recht herzlich zu unserer diesjährigen Abschlussfeier der Klassen 10a,10b,10c und 10d. Wir entlassen heute 99 Schülerinnen und Schüler.

Vor allem möchte ich mich bei den Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern bedanken. Frau Annika Wecke, Klassenlehrerin 10a, Frau Angelika Fried, Klassenlehrerin 10b, Frau Uta Mahnke, Klassenlehrerin 10c und Herr Michael Kreher, Klassenlehrer 10d.

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei allen anderen Kolleginnen und Kollegen bedanken, die mit ihrer Arbeit und vor allem mit viel Geduld ihren Beitrag dazu geleistet haben.

Heute erhalten 99 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 ihren Realschulabschluss, konkret bedeutet das: Alle Schülerinnen und Schüler unserer Schule bekommen ein Abschluss! Herzlichen Glückwunsch.

Wir haben 67 qualifizierende Realschulabschlüsse. Um diesen zu erhalten, müssen zwei Merkmale erfüllt sein: In den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch muss der Notendurchschnitt mindestens 3,0 sein. In den übrigen Fächern muss ebenfalls ein Notendurchschnitt von 3,0 erreicht werden.

Von den Absolventen treten 31 eine Ausbildung an.

63 gehen auf eine weiterführende Schule, was für manche von euch noch einmal zwei bzw. drei Jahre Schule bedeutet, eine macht ein freiwilliges Soziales Jahr, zwei machen ein Auslandsjahr und zwei sind sich noch unsicher, was sie nach der Schulzeit jetzt machen.

Liebe Schülerinnen, liebe Schüler,

normalerweise beginnen so meine Abschlussreden. Ich bin jetzt 15 Jahre Schulleiter, zehn Jahre an der Haupt-und Realschule Birstein und fünf Jahre hier an der Kreisrealschule Gelnhausen. Alle meine Abschlussreden haben so angefangen und auch diese hat so angefangen. Der Plan für die Verabschiedungsfeier war eigentlich ein anderer. Das Verb „planen“ hat in den vergangenen Wochen und Monaten eine ganz andere Bedeutung bekommen. Auf einmal war alles anders. Nichts mehr planbar. Schulplan, Terminplan, Stundenplan, Jahresplan und der Plan für eine große Verabschiedungsfeier an der Kreisrealschule lösten sich in Luft auf. In Zeiten von Corona machen wir jetzt vier kleine Verabschiedungsfeiern. Leider ohne eure Eltern. Bitte richtet von mir schöne Grüße an eure Eltern aus. Ich hätte sie gerne begrüßt. Eine Abschiedsfeier ohne Eltern, eigentlich undenkbar, wie so vieles in der momentanen Situation. Einen Namen für diese planlose Zeit, die aber wieder durch ganz andere neue Pläne ersetzt werden musste, von denen man aber auch nicht wusste, ob diese so bleiben, einen Namen dafür zu finden ist schwierig. Ein möglicher Vorschlag wäre „Absurdistan“. Ich möchte euch eine Fabel aus Absurdistan erzählen. Eine Fabel, die meine Frau am Anfang der Coronakrise geschrieben hatte, und die ich ein wenig ergänze.

„Es gab eine Gruppe Freilandhühner, die ihre Freiheit, die frische Luft und das grüne Gras genossen. Bei diesen Bedingungen war es für sie eine Leichtigkeit, jeden Tag frische und fette Eier zu legen.

Eines Tages verbreitete sich über das wunderschöne grüne Gras ein heimtückisches Virus, das alle Freilandhühner dazu zwang, ihre Freiheit und die frische Luft gegen eine isolierte Legebatterie zu tauschen, in der sie aber in Sicherheit waren.

In der Gefangenschaft gingen einige Hühner zugrunde, andere litten, aber überlebten.

Die größte Gruppe der Hühner in der Legebatterie legte aber plötzlich mehr und bessere Eier als je zuvor, was alle Bauern im Land letztendlich davon überzeugte, dass auch nach Verschwinden des heimtückischen Virus alle Hühner in ihren isolierten Legebatterien bleiben sollten. Viele Hühner wollten aus ihrer Legebatterie auch gar nicht mehr heraus. Sie wollten sich lieber online – per Videokonferenz- treffen. Außerdem musste man draußen eine Maske tragen und welchem Huhn macht es schon Spaß Körner aufzupicken, wenn über dem Schnabel eine Maske ist. Auch das ständige Abstandhalten nervte. Nebenan wurden die kleinen Küken tagsüber mit einem alten Huhn in einen gemeinsamen engen Stall gesperrt, ohne dass Abstand gehalten werden konnte. Der Bauer wollte einmal testen, wie sich das Virus auf die Küken auswirkt, wenn kein Abstand eingehalten wird. Am Abend lief bei dem alten Huhn dann plötzlich die Nase und es musste husten, auch die Ohren waren ganz heiß.

Die fleißigsten und mutigsten unter den Hühnern durften ihren Bauern schon bald nach Hühnorca auf den Ballerhahn begleiten und sich dort zwischendurch mal erholen…

Merke: Wer nicht am Virus gestorben ist, legt immer noch gute Eier auf dieser Welt.

Niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt, wie sich die medizinische, gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Situation entwickeln wird. Aber ich weiß, wie ich die schulische Situation in den vergangenen Monaten und Wochen empfunden habe. Als Pädagoge, Lehrer und Schulleiter hat mir diese Schulwirklichkeit in der Seele weh getan. Bei einigen Durchsagen – und das habt ihr sicherlich gemerkt, liebe Schülerinnen und Schüler, haben mir die Tränen in den Augen gestanden. Oftmals musste ich an den Komiker Theo Lingen denken. Vor gut 50 Jahren hat er den Oberstudiendirektor Dr. Taft in der Komödie „Die Lümmel von der ersten Bank“ gespielt. Sein Lieblingssatz war: „Traurig, traurig, traurig“ als es um die Schulsituation ging. Aber der Film war eine Komödie. Unsere Realität ist teilweise eine Tragödie und sehr oft: Traurig, traurig, traurig.

Dennoch muss es weitergehen und hier möchte ich einen Spruch bemühen, den ich nur in altdeutscher Schrift kenne, der mit Sicherheit aus dem letzten Jahrtausend stammt und auch mindestens über 50 Jahre alt ist.

„Erfolg hat im Leben und Treiben der Welt, wer Ruhe, Humor und Nerven behält.“

Die Nerven liegen in der Corona-Schulzeit bei den Schulgemeinden oftmals blank. Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Schulleitungen sind am Limit. Ich freue mich dennoch, dass es dem gesamten Jahrgang 10 gelungen ist komplett an den Präsentationsprüfungen als auch an den Abschlussprüfungen teilzunehmen. Das war für alle Beteiligten – für Schüler und Lehrer – eine sehr schwierige Situation, die von allen beeindruckend gemeistert wurde.

Deshalb wünsche ich euch, dass ihr in den schwierigen Situationen des Lebens Ruhe, Humor und Nerven behaltet.

Das Positive heute ist: Ihr seid keine Hühner! Ihr seid junge Menschen, mit eurem Schulabschluss mündige Bürgerinnen und Bürger, die wir heute in ihre Zukunft entlassen. Eine Zukunft, die ihr alle mitgestalten könnt und müsst!

Ihr könnt mitentscheiden, wie ihr in eurer Zukunft leben möchtet!

Dafür solltet ihr eure Interessen und Wünsche vertreten! Das erfordert Mut, Durchhaltevermögen und Energie… deren Einsatz sich letztendlich aber sicher für euch und eure Zukunft lohnen werden.

Es gibt immer mehrere Wege im Leben. Wichtig ist, dass man mit seinem Weg glücklich, zufrieden und gesund bleibt.

Ich freue mich sehr über euren Schulabschluss – liebe Schülerinnen, liebe Schüler – ich gratuliere euch dazu recht herzlich.

Danke für die Aufmerksamkeit.


Frau Fried, Klasse 10b:

Abschlussrede für die Klasse 10b am 24.6.2020

Musik: Into the West (Aus: ‚Herr der Ringe‘)

Hin und nie wieder zurück – Die Geschichte der Gefährten

„Die Eine Schule, sie zu knechten, sie alle zu ermüden. Zur Weißglut zu treiben, und ewig zu rügen.“ So geschehen im Städtchen Gelnhausen, wo Schulpflicht herrscht.

Dies war die große Aufgabe, die auf der Einen Schule lag, doch um die 100 Gefährten beschlossen eines Tages, sich zu einer Gemeinschaft zusammenzuschließen und die Eine Schule erfolgreich zu bekämpfen und zu siegen.

Und so begab es sich, dass sie sich – nachdem sie die lieblichen Ländereien der Grundschule passiert hatten – gemeinsam auf einen langen, oft beschwerlichen Weg machten, um ihr Ziel, die große Mittlere Freiheit, zu erreichen.

6 Jahre waren für die Reise vorgesehen und noch ahnten die Gefährten nicht, dass aus den 6 Jahren gelegentlich auch 7 Jahre werden konnten.

Die Gemeinschaft bestand aus verschiedensten Arten der seltsamsten Kreaturen. Da gab es unter Anderem die Fleißigen, erkennbar an Ausdauer, Konsequenz und aktiver Teilnahme. Eine weitere Gruppe nahmen die Gemütlichen ein, die eine unverwechselbare Mischung aus Gemächlichkeit, Ruhe und Gelassenheit innehatten, was all die schweren Prüfungen auf ihrem Weg anging. Da waren außerdem die zwielichtigen Gestalten, bei denen man nie wusste, was als Nächstes geschehen würde – würden sie weiterkämpfen oder die Reise aufgeben und zurückkehren? Und es gab die besonders Trägen, die ihre schwierigen Aufgaben immer gerne den anderen überließen, die mit dem Minimum an Ergebnissen aufgrund ihrer Belastungen ausreichend zufrieden waren.

So zogen die Gefährten vorbei an steinigen Abhängen, mussten unterwegs feurigen Gestalten, genannt „Lehrkörper“ oder auch „Paedagogus“, die Stirn bieten und sich und ihre Schläue behaupten, indem sie unglaubliche Rätsel lösten.

Hierbei konnte es um die unmöglichsten Dinge gehen, Themen wie Bruchrechnung und Rechtschreibung waren da noch die kleinsten Hürden neben English Tenses, den großen Fragen der Weltanschauung und Politik, der Lehre von der Abstammung, chemischen Zusammensetzungen, physikalischen Gesetzmäßigkeiten, Kunst und Gesang, um nur einige Beispiele zu nennen. Es war währenddessen angemessen, der körperlichen Ertüchtigung immer wieder genügend Raum zu gewähren, half doch ein trainierter Körper bei der Bewältigung all der Kämpfe gegen die Eine Schule.

Als Beitrag zu guter Laune und physischer und mentaler Gesundung wurde die lange Reise mehrmals unterbrochen durch diverse Projekte sowie kürzere und längere Extrarouten von einem Tag bis zu fünf Tagen, die manches Mal sogar in ferne Gefilde und Ländereien führten.

Den Anführern der insgesamt vier Gefährtengruppen oblag in all der Zeit die schwere Aufgabe, alle und alles unter Kontrolle zu haben, laufend alle Aktivitäten zu Papier zu bringen, Versammlungen der unterschiedlichsten Art abzuhalten und – nicht zu vergessen – immer wieder dem Obersten der Einen Schule Bericht zu erstatten. Letzteres war nicht gerade von Vorteil für jene Gefährten, welche sich den Regeln während ihrer Reise widersetzten.

Und im allerletzten Reisejahr, als die Eine Schule schon fast überwunden schien, tat sich vor den Gefährten das letzte, riesengroße Hindernis auf, „Zentrale Abschlussprüfungen“ genannt.

Angerollt kam es wie eine Lawine.

Schien es zunächst noch weit, weit weg, war es doch im nächsten Moment schon da und wartete darauf, in Angriff genommen zu werden.

Durch eine weltweite große Krise, genannt Corona, die immense Gefahren in sich barg und weiterhin birgt, wurden den Gefährten die letzten Hürden dann plötzlich sehr erschwert. Die Eine Schule war wochenlang geschlossen, zahlreiche Aufgaben mussten in Heimarbeit bewältigt werden, allerdings unterstützt von vielen ‚Paedagogi‘ und anderen Hilfsmitteln.

Doch irgendwie, die Legenden unterscheiden sich da sehr in der Beschreibung, irgendwie war es den Gefährten schlussendlich doch gelungen, auch diese letzten sehr hohen Hürden zu meistern und endlich ans Ziel zu gelangen und zu siegen – und das mit oft hervorragendem Erfolg!

Einige Gefährten haben am Ende ihrer insgesamt 10 Jahre aber auch ihre Meinung geändert und wollen sich freiwillig zwei oder sogar drei weitere Jahre lang auf eine zusätzliche Reise in einer anderen Landschaft begeben. Die anderen hingegen halten es nach all der Zeit für vernünftiger sich auf ein zu erlernendes Handwerk einzulassen. Noch weiß niemand der Gefährten, welche Freuden und Gefahren jetzt vor ihnen liegen, was sie Neues und Schwieriges und Schönes erwartet.

Alle „Paedagogi“ sowie die vielen wichtigen Menschen und Familien, die die lange Reise mit Rat und Tat und liebevoller Zuwendung unterstützt haben, wünschen allen jungen Gefährten eine spannende, erfolgreiche, aber auch entschleunigte weitere Reise mit guten neuen Erfahrungen in der leider so verwirrten Weltgeschichte.

Mögen es freudige Begegnungen mit Menschen sein, die positiv, respektvoll und voller Liebe auf das Leben einwirken, unter der Wertschätzung der Natur – Begegnungen, die immer wieder ein Lächeln und ein Dankeschön hervorzaubern.

Und: Mögen alle gesund bleiben!

Ja, 6 Jahre sind die Meisten von euch mit mir gemeinsam gereist, ein paar von euch kamen nach und nach zur Klassengemeinschaft hinzu – eure Reise an der KRS endet hier und heute und ich danke euch von Herzen für die Gemeinschaft mit euch!

Auch meine Reise geht nun nach 42 Jahren zu Ende…Alles hat seine Zeit…

May your dreams come true – and don‘t forget: Seize the day! Carpe diem!


Frau Mahnke, Klasse 10c:

Ihr Lieben,

jetzt ist es soweit, es sind besondere Zeiten, es ist ein besonderer Abschluss und somit komme ich also auch dazu hier oben zu stehen und eine kleine Rede zu halten, um die ich mich in den vergangenen Jahren immer erfolgreich gedrückt habe.

Zunächst einmal möchte ich euch aber sagen, dass ich sehr stolz auf euch bin, wie toll ihr in dieser außergewöhnlichen und besonderen Zeit die letzten Wochen vor eurem Abschluss gemeistert habt. Und an dieser Stelle muss ich ein Wort benutzen, dass vor Corona noch gar nicht in meinem Sprachgebrauch war (Bouffier hat es ziemlich oft benutzt). Dieses Wort heißt „Besonnen“.

„Besonnen“ trifft absolut auf euch zu, oder wenn man es eher in Alltagssprache ausdrückt: Ihr seid absolut „cool“ und „abwartend“ und „verständnisvoll“ mit der Situation umgegangen. Trotz abrupten „Shut down“ am eigentlichen Start eurer mündlichen Prüfungswoche.

Aber das ist natürlich nicht alles, warum ich stolz auf euch bin und warum ihr etwas Besonderes für mich seid: Wir kennen uns eine sehr lange Zeit, seit der 5. Klasse mit 5 Stunden Englisch in der Woche. Nach der 7. Klasse stand ein Klassenlehrerwechsel an und ich habe mir euch gewünscht und zum Glück auch bekommen. Schon damals bin so gerne zu euch gegangen, da ihr eine richtig coole, aufgeschlossene Truppe wart, mit der Unterricht einfach Spaß gemacht hat. Eine lockere Lernatmosphäre, wo Spaß aber auch Ernsthaftigkeit nicht zu kurz kamen. Den Grundstein dazu (die Förderung des sozialen Miteinanders) hat natürlich, nicht zu vergessen, eure alte Klassenlehrerin, Frau Herrmann gelegt.

Viele von euch waren natürlich auch traurig über den Wechsel und ich habe gehofft, dass es mir gelingt als neue Klassenlehrerin, das Vertrauensverhältnis zwischen uns weiter ausbauen zu können. Und ich kann und muss heute am Tag eures Abschlusses sagen: Ja, es hat geklappt!!

Vertrauen ist für mich eines der wichtigsten Ziele und natürlich bedingt das auch die Entwicklung zu selbstständigen und verantwortungvollen Menschen. Und da bin ich besonders stolz auf euch: Das seid ihr geworden!

Um das zu werden, ist es auch wichtig, dass man nicht nur harmonische schöne Momente hat (was im normalen Leben gar nicht funktioniert). Probleme und Schwierigkeiten gehören zum Schulalltag/ zum Leben dazu und es ist die Kunst, sie zu meistern.

Ich habe das Ende 8. Klasse als etwas problematische Zeit in Erinnerung. Natürlich kann man sagen, die Pubertät hatte bei euch schwer zugeschlagen, aber wir hatten auch immer wieder Neuzugänge und Schülerwechsel in der Klasse, was insgesamt auch nicht so förderlich für die Atmosphäre und die Klassengemeinschaft war.

Aber trotzdem habt haben wir es geschafft, auch aus diesem Tal wieder heraus zu klettern und ihr habt euch weiter zu entwickeln. Und wie sehr zeigtet ihr mir im folgenden Schuljahr z.B. im Praktikum.

Ich war sehr froh darüber, euch im Praktikum begleiten zu dürfen, denn dadurch konnte ich euch auch einmal außerhalb des Unterrichts von einer ganz anderen Seite erleben. Ich lernte ganz neue Interessen und Fähigkeiten an euch kennen. Bei meinen Besuchen kamt ihr eigentlich alle strahlend und positiv auf mich zu und ich bin auch in diesem Bezug sehr stolz auf euch, wie verantwortungsvoll und engagiert ihr das Praktikum absolviert habt.

Die nächste „Prüfung“ vor der eigentlichen „abschließenden Reifeprüfung“ war unsere Abschlussfahrt nach Berlin. Auch diese habt ihr mit Bravour bestanden. Sie zeigte mir nochmal deutlich, wie sehr ihr euch entwickelt habt, speziell in Bezug zu meinem persönlichen obersten pädagogischen Ziel „Vertrauen“ und die „Selbstständigkeit“.

Ich konnte euch vertrauen, dadurch auch Freiheiten gewähren, so dass es für mich und ich denke auch für Herrn Schubert, der mich sehr unterstützt hat, eine absolut schöne, entspannte und lustige Klassenfahrt wurde. (Mit „entspannt“ wird mir jetzt der eine oder andere vielleicht nicht ganz so zustimmen, da wir ja täglich einige/ mehrere/viele km zu Fuß zurückgelegt haben. Aber das ist nun mal so, wenn man eine Sportlehrerin als Klassenlehrerin hat).

Schön euch dort so offen für alles erlebt zu haben und wie ihr die Atmosphäre und die Vielfältigkeit der Großstadt genossen habt.

Die letzten Wochen haben mir nun auch nochmal ganz deutlich gemacht, dass ihr wirklich „reif“ seid zu gehen. Wie unkompliziert das „Homeschooling“ mit euch verlief. Wie selbstständig ihr eure Aufgaben erledigt und organisiert habt. Wie selbstbewusst und souverän viele von euch, trotz der langen Terminverzögerung, ihre mündlichen Prüfungen ablegten. Vielen Dank, dass das alles so unkompliziert mit euch geklappt hat.

Und in diesem Zusammenhang gilt mein Dank natürlich auch euren Eltern, die für die notwendige Ruhe (Besonnenheit) innerhalb eurer Familie gesorgt haben.

Ihr braucht unser „behütetes“ und natürlich noch recht kontrolliertes Schulsystem nicht mehr. Ihr seid vorbereitet für die neuen Herausforderungen, sei es in der anstehenden Ausbildung oder auf der weiterführenden Schule.

Ich bin ein bisschen traurig, dass wir die letzten Wochen nicht mehr gemeinsam hatten, abgesehen von ein paar Besuchen, aber ich war auch froh, dass ihr in der Phase des Präsenzunterrichts so gut von Frau Reuter und Frau Schilling vertreten und betreut wurdet, natürlich im Kontakt mit Frau Bradfort und Herrn Kreher, der immer fleißig aktiv mit Rat und Tat in unserer Klassengruppe zur Verfügung stand, und natürlich Frau Zimmermann-Dooms, die als einzige feste Konstante auch damit für etwas Normalität während des besonderen Corona Präsenzunterrichts gesorgt hat.

Ich möchte mit einem Zitat von Paulo Coelho enden:

„Ein Schiff ist sicherer, wenn es im Hafen liegt. Doch dazu wurden Schiffe nicht gebaut.“

Habt Mut, macht etwas aus eurer Zukunft, wagt euch eure Träume, Wünsche und Ziele zu verfolgen. Und denkt aber auch daran, immer mal wieder in den sicheren Hafen zurück zu kehren.

Es war sehr schön, euch kennen lernen zu dürfen. Ich werde euch vermissen!


Herr Kreher, Klasse 10d:

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Anwesenden,

sechs Jahre! Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Gestern hatte ich Aufsicht und sah eine fünfte Klasse. Kleine quirlige Kinder tobten über den Schulhof. So stelle ich mir eure Klasse vor sechs Jahren vor. Es ist schon beeindruckend welche Entwicklung ein Mensch von Klasse 5 bis Klasse 10 durchmacht. Wir kennen uns seit Klasse 8.

In der achten Klasse kam der Neue. Der neue Klassenlehrer. Ich kam in eure Klasse. Kennen lernen, Namen lernen, Statistik, Checkliste zum Schuljahresanfang und Austeilen der Unterrichtsplaner. Dann gab es nur noch eine große Hürde: den Mathematikwettbewerb. Ihr habt schnell gemerkt, dass ich ein Fach ernst nehme. Mathematik. Danach verlief die achte Klasse weitgehend harmonisch. Viele Elterngespräche waren nicht nötig. Hin und wieder musste ich Entschuldigungen einfordern. Raucher gab es nicht oder fast nicht. Oder sie waren einfach geschickter als die in früheren Jahren. Sogar die Bundesjugendspiele und Sporttage machten euch Spaß.

In der neunten Klasse war das Praktikum der wichtigste Meilenstein, neben den Gleichungssystemen in Mathematik natürlich. Zur Vorbereitung solltet ihr in Referaten Berufe vorstellen. Schon damals waren einige von euch sehr abgeklärt. Weniger die Tätigkeiten sondern eher wie viel man in den einzelnen Lehrjahren verdienen könne, stand für einige von euch im Vordergrund. Im Praktikum bekam ich Rückmeldungen von euren Betreuern. Meine Schülerinnen und Schüler, fern von zuhause und fern der Schule, ganz auf sich gestellt, wurden gelobt als pünktlich, interessiert, zuverlässig, höflich, offen, kommunikativ. Ich könnte die Liste positiver Attribute eine ganze Weile fortsetzen. Selbst diejenigen, die im Unterricht eher zu den Stillen gehörten, wuchsen im Kundenkontakt über sich hinaus. Und sie zeigten mir, dass man die Schule zwar ernst nehmen soll, vor allem den Mathematikunterricht, dass aber ganz zweifellos viele Begabungen in euch stecken, so dass ich mir keine Sorgen um eure Zukunft machen muss.

Zu Beginn der zehnten Klasse fuhren wir nach Hamburg. Auch hier schätzte ich mich glücklich, Klassenlehrer einer Wohlfühlklasse zu sein. Alles klappte, wir hatten sogar Sitzplätze im Zug und meine Klasse war zuverlässig und pünktlich. Und im Hotel wart ihr „leiser als die anderen Gruppen“, wie vereinbart. Sogar bei der Stadtführung machtet ihr gute Miene zum bösen Spiel, obwohl der Vortrag etwas langatmig war. Ich hatte sogar den Eindruck, dass die Cliquenbildung zwar nicht überwunden wurde, dass aber die Cliquen sich gegenseitig akzeptierten. Immerhin.

Nach dem Halbjahreszeugnis wurden die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen gesammelt. Die ersten Arbeiten des zweiten Halbjahres waren bereits geschrieben. Und das Beste: es gab eine Freiwillige für die Abschlussrede der Klassenlehrer. Es sollte alles so schön werden. (Die letzte große Hürde eines Klassenlehrers in der 10 ist, sich um das Halten der Abschlussrede zu drücken. Wir Lehrer reden viel, aber Reden halten ist bei uns nicht populär.) Dieses Jahr gab es also eine Freiwillige. Das zweite Halbjahr der zehnten Klasse würde einfach Spaß machen. Aus lauten, tobenden Kindern würden am Ende der Realschulzeit junge Erwachsene. Man würde vernünftig unterrichten und Gedanken austauschen können.

Dann gab es Corona. Die Schule wurde dicht gemacht, und neue Begriffe wie Homeschooling und Lockdown machten die Runde. Die Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen wurden aus der Ferne begleitet. Das war sicher nicht optimal, doch haben die meisten von euch diese Zeit gut gemeistert und auch in den Abschlussprüfungen gepunktet. Goethe sagte einmal: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Da viele von euch eine weiterführende Schule besuchen wollen, war es doch prima, dass ihr zeigen konntet, wie selbständig und eigenverantwortlich ihr lernen könnt. Kurz vor der Mathematik-Abschlussprüfung, kam ich mit dem Whatsapp-Schreiben kaum mehr nach.

Leider hatte der Lockdown noch weitere Schattenseiten.

  • Leider wollte Frau Fried ihre Abschlussrede nicht allen vier Klassen halten, so dass ich nun doch hier stehen muss.
  • Leider habe ich nicht mehr die Gelegenheit gehabt, eure Unterrichtsplaner zu kontrollieren.
  • Und leider fehlt euch als Klasse das schönste letzte Halbjahr miteinander, ehe ihr in verschiedene Richtungen ins Leben startet.

Ich hoffe, dass dieses Halbjahr als Ausnahme und nicht als neue Normalität in die Geschichte eingehen wird.

Ich danke euch für drei sehr schöne Jahre. Ihr wart eine prima Klasse. Ich wünsche euch alles Gute. Geht euren Weg. Falls jemand euch Steine in den Weg legt, baut was Schönes daraus.

Vielen Dank!

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